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erstellt: Gernot Voelkl [11.12.2014 , 09:01:33]
geändert: Gernot Voelkl [11.12.2014 , 09:09:30]
Befahrungsbericht Frauenmauer-Langstein-Höhlensystem (1742/1) „Cellophangang“ 06.12.14 bis 08.12.14
Teilnehmer:
Björn Haberfellner (Eisenerzer HV Fledermaus)
Martin Riedler (Eisenerzer HV Fledermaus)
Roland Brantner (Eisenerzer HV Fledermaus)
Alfred Nöstl (Eisenerzer HV Fledermaus)
Gernot Völkl (Eisenerzer HV Fledermaus)
Vorwort vom Berichtverfasser:
Nach meiner letzten Höhlenexpedition vom 27.10.2014 bis 01.11.2014 hatte ich gedanklich mit mir vereinbart, die tiefen Teile der Langsteinhöhle in diesem Jahr nicht mehr zu besuchen und die Höhle sein zu lassen. Doch anscheinend fällt es Höhlenforschen schwer, diesen Abstand zu dieser unwirklichen Welt lange den Rücken zu kehren. Es wirkt der Anschein auf mich, dass es mehrere Besessene gibt, die jenen Zwang nicht widerstehen können und somit konnte rasche eine Höhlenforschertruppe zusammengestellt werden.
Besonders erwähnenswert ist, dass die gesamte Truppe aus Höhlenforschen vom Eisenerzer Höhlenverein Fledermaus waren. Dieses war seit Jahren nicht mehr der Fall, dass eine schlagfähige Truppe von Eisenerzern in die Tiefen dieses Höhlensystems abstiegen und dort neue Höhlenteile zu erforschen und zu vermessen versuchten.
Aus persönlicher Sicht hatten in der Vergangenheit alle meine Höhlenbefahrungen immer einen positiven Verlauf. Geplante Ziele wurden Großteils sehr oft erreicht, beziehungsweise in die Tat umgesetzt. Dieses Mal war das aus meiner persönlichen Empfindung her nicht der Fall.
Ausgangslage und Ziel:
Ziel der 3-tägigen Höhlenbefahrung war es, die Fortsetzungen im „Cellophangang“ weiter zu erforschen und die Seitengänge zu vermessen. Die Höhlenvermessung sollte unter der Leitung von Höhlenforscher Völkl stattfinden, da der Höhlenverein Fledermaus ein neues Vermessungsgerät angeschafft hatte und Völkl sich mit jener Vermessungstechnik vertraut machte. Höhlenforscher Riedler und Brantner sollten hierbei assistieren um auch die Handhabung und Vermessung zu erlernen. Die Forscher Nöstl und Haberfellner sollten sich am Ende des Cellophanganges empor schlossern um Neuland zu erkunden.
Samstag 06.12.2014:
Die gesamte Forschergruppe bestehend aus fünf Höhlenforschern trafen sich um 8.45 Uhr bei der Gsollkehre in Eisenerz. Der Transport bis zum Ende der Forststraße erfolgte wieder durch Jägermeister Herman Nömayer. Ein großer Dank der gesamten Forschertruppe geht an ihn.
Ankunft beim Höhleneingang war um 9.40 Uhr. Der Aufbruch in das Höhlensystem war um 10.30 Uhr. Die Schleifsäcke der Forscher war nicht besonders schwer da ein Teil der Nahrung noch von der letzten Expedition im Biwak 4 war. Durch das rasche Vorrankommen konnte das Biwak 2 um 12.50 Uhr erreicht werden. Nach kurzer Stärkung ging es weiter in das Biwak 4. Dieses wurde um 15.00 Uhr erreicht.
Höhlenforscher Nöstl war noch voller Elan und überzeugte den Rest der Truppe noch einen Spaziergang in die Teile des Cellophangangs zu unternehmen. Höhlenforscher Völkl war beim Eingang der Höhle noch ziemlich fit. Doch wie es der Teufel so will, hatte er eine Verkühlung, die am Nachmittag im Biwak 4 zunehmend stärker wurde.
Das Material für den nächsten Tag wurde in einen Schleifsack gepackt und von Höhlenforscher Haberfellner transportiert. Dieser Schleifsack war dementsprechend schwer da auch vier Liter Wasser mitgenommen wurden da im Cellophangang keine Wasserstelle zur Verfügung steht. Hierbei möchte ich anmerken, dass der Cellophangang sehr trocken ist. Die Lehmsedimente sind stark ausgetrocknet was bedeutet das jene Höhlenteile einer alten Genese zuzuordnen sind.
Der schwere Schleifsack wurde im Bereich des Cellophanfoyer deponiert und der Rückmarsch wurde in den Angriff genommen. Das Biwak 4 konnte um 19.30 Uhr wieder erreicht werden. Nach der Zubereitung von Rindschnitzel mit Pfeffersauce und dem ein oder anderen Rumtee, wurde um 22.30 Uhr die Nachtruhe angetreten. Höhlenkamarad Nöstl und Haberfellner verschoben die Nachtruhe, da noch einige Themen im Beisein von Rumtee intensiv diskutiert werden mussten. Anschließend trug Nöstl noch einen hörbaren Kampf mit seiner Luftmatratze aus. Mit schmunzeln wurde das von den anderen Forschern verfolgt. Nach einiger Zeit hatte er das Duell gewonnen und alle konnten schlafen.
Sonntag 07.12.2014:
Tagwache war um 8:30 Uhr. Wie in einem Lazarett beklagten sich alle Forscher bis auf Kollege Haberfellner und Nöstl über Schmerzen. Kollege Riedler hatte Rückenschmerzen, Brantner Knieprobleme und Völkl Schnupfen, der sich merklich verschlechterte. Um 10.30 Uhr brach die ganze Truppe auf zu den Forschungsendpunkten im Cellophangang. Völkl, Riedler und Brantner begannen sofort mit den Vermessungsarbeiten, Nöstl und Haberfellner mit den Forschungstätigkeiten.
Nach dem ersten Messzug zu den Seitencanyons zeigt sich sofort, dass die Messzüge nicht repräsentativ sein konnten. Sie zeigten in die komplett entgegengesetzte Richtung. Dieses Problem bei Vermessungsgerät war bei der letzten Expedition schon aufgetreten. Bei der einer Drehung im Uhrzeigersinn zeigte sich, dass die Abweichung zu Nord bei 313° wieder abnahm und rückläufig war, obwohl die Drehrichtung im Uhrzeigersinn beibehalten wurde. Forscher Völkl versuchte verzweifelt das Gerät zu kalibrieren. Dieses gelang jedoch nicht. Das Gerät wurde zuvor von Völkl im Bereich der Eisenerzer Ramsau mit einem Kalibrierungskoeffizienten 0,55 aktualisiert. In der Höhle wurde dieser Wert nie mehr erreicht. Der beste Koeffizient konnte mit 0,79 beziffert werden. Nach dieser Aktualisierung war zwar die Messrichtung wieder in Ordnung, dennoch ergab sich eine Abweichung von ca. einem Meter beim Nachmessen von alten Messzügen. (Messzug CF 13.9 auf CF 13.10 wurde als Referenzmessstrecke heran gezogen). Ein Vermessen war dadurch unmöglich da sich der Messfehler mit jedem Messzug kumuliert. Völkl, Riedler und Brantner versuchten erneut zu kalibrieren leider war es den Forschern jedoch nicht möglich einen dementsprechend Koeffizienten zu erreichen.
Forscher Riedler und Brantner erforschten die Canyon bei den Messpunkten CF 13.10 mit einem 30 m Seil. Diese Seitengänge verlaufen sich jedoch in kleinen, nicht mehr durchgängigen Engstellen.
Der Gesundheitszustand des Forschers Völkl wurde nicht besser, deshalb begleiten Riedler und Brantner Völkl zurück ins Biwak 4, welches um 17.00 Uhr erreicht wurde. Nöstl und Haberfellner forschten weiter und trafen um 19.45 Uhr ebenfalls im Biwak 4 ein. Nach Aussage von Forscher Haberfellner wurden ca. 200 m Neuland erkundet. Weit weg vom Forschungsendpunkt ist ein Wasserrauschen zu hören. Es ist anzumerken, dass auch der neu gefundene Teil sehr trocken ist. Am Ende befindet sich ein Schacht mit ca. 30 m Tiefe. Dieser wurde nicht mehr eingerichtet, da kein Seil mehr zu Verfügung stand. Forscher Nöstl konnte auf seinen Höhenmesser eine Höhe von 1220 beim Forschungsendpunkt ablesen.
Im Biwak kümmerten sich alle um Völkl’s Gesundheitszustand, der nur liegend in seinem Schlafsack verweilten konnte. Um seine Genesung zu beschleunigen, wurde er reichlich mit Tee versorgt. Hierbei möchte ich mich für die kameradschaftliche Hilfe bei allen Beteiligten bedanken.
Montag 08.12.2014:
Nach dem Aufräumen des Biwaks wurde der Aufbruch zum Ausgang um 8.45 Uhr angetreten. Sichtbar müde wurde der Höhlenausgang um 13.30 Uhr erreicht. Für den Aufstieg vom Biwak 4 wurden somit 4 Stunden und 45 Minuten benötigt.
Fazit:
Der Cellophangang in Hauptkluftrichtung des Höhlensystems konnte weiter erforscht werden. Nach Abschätzung der gesamten Messdaten kann die gesamte Länge des Frauenmauer-Langstein Höhlensystems nun mit 40 km beziffert werden. Festzuhalten ist, dass für zukünftige Forschungstätigkeiten genügend Potential vorhanden ist. Aus Sicht des Berichtverfassers wäre es sinnvoll, die Messdaten des Eisenerzer Teils der Eishöhle in das 3D Modell einzupflegen. Vielleicht ist zukünftig möglich, durch die neu entdeckten Bereiche in die noch tieferen Teile der Langstein Eishöhle vorzudringen.
Um keine falschen Messdaten zu generieren, wird es in Zukunft notwendig sein, die Fehleranfälligkeit der DistoX Geräte zu beheben. Warum das neue Vermessungsgerät von Eisenerzer Höhlenverein so schwer zum Kalibrieren ist, ist unklar. In Summe wurden ca. 40 Kalibrierungsversuche unternommen. Ein Kalibrierungskoeffizient von k < 0,55 konnte nie erreicht werden. Nach Herstellerangaben sollte der Wert immer kleiner als k < 0,50 sein.